Blog | 13. Februar 2026
KI-Robotic-Mensch: Wenn Roboter nicht das tun was wir wollen

Die Herausforderung
Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik stellt den Mittelstand vor große Chancen und Herausforderungen. Ein Blick auf vergangene Veranstaltungen und zukünftige Kongresse zeigt, dass der Mensch in diesem Transformationsprozess stets im Mittelpunkt stehen muss.

Bereits im Jahr 2019 widmete sich die „Wissensoffensive“ in Hagen, ein regionales Innovationsevent des wisnet e.V. für den Mittelstand, intensiv den Themen „Mensch Maschine KI“ und „Robotik und Kompetenz 4.0“. Die Veranstaltung, die unter dem Motto „Die intelligente Verbindung zwischen Mensch, Maschine und Unternehmen im Zeitalter von Agilität und Nachhaltigkeit“ stand beleuchtete zentrale Aspekte, die bis heute relevant sind:
- Fachkräftemangel und Recruiting: Schon damals wurde diskutiert, wie moderne Tools wie KI bei der Personalauswahl entscheidende Unterstützung bieten können, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.
- Assistenzsysteme für die Weiterbildung: Die Beschleunigung der Kompetenzentwicklung in Unternehmen durch individualisierte assistive Technologien war ein weiteres wichtiges Thema.
- KI für Effizienz und Nachhaltigkeit: Es wurde erörtert, wie KI Einsparpotenziale aufdecken und Produktionsprozesse effizienter gestalten kann, aber auch, dass die Diskussion um nachhaltige Informationstechnik über die Optimierung von Rechenzentren hinausgehen muss.
- Agilität und Lernkultur: Die Notwendigkeit einer modernen Lernkultur und agilen Managements, um organisatorische Veränderungen erfolgreich umzusetzen, wurde betont.
- KI-Training und Umsatzpotenziale: Die Bedeutung speziell geschulter KI-Trainer:innen zur Ausschöpfung von Flexibilisierungspotenzialen und die Nutzung von Daten-Robotern zur Strategieentwicklung und Vertriebsunterstützung waren ebenfalls Teil der Agenda.
Die „Wissensoffensive 2019“ zeigte bereits, dass die Integration von KI und Robotik weit mehr als nur technische Neuerungen umfasst; sie erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen, seine Kompetenzen und die Unternehmenskultur einbezieht.

Die „15. Robotics Kongress 2026“: Die Zukunft im Blick
Fast sieben Jahre später, im Februar 2026, greift der „15. Robotics Kongress“ unter dem Titel „Robotik im Mittelstand 2026 – Chancen. Wandel. Zukunft!“ diese Themen auf und führt sie fort. Prof. Dr. Erich Behrendt, Professor für Digital Transformation & Leadership, hat dort einen Vortrag mit dem Titel „Change & Qualifizierung – der Mensch bleibt im Mittelpunkt“ gehalten.
Seine zentrale These: Moderne (KI-)Industrierobotik ist weltweit eine „commodity“, also von allen Mitbewerbern einsetzbar. Der wahre Wettbewerbsvorteil liegt daher nicht mehr primär in der Maschine selbst, sondern in ihrem erfolgreichen Einsatz in der Mensch-Interaktion. Dies erfordert nicht nur Robotik auf dem neuesten Stand der Technik, sondern vor allem die Akzeptanz mobiler, smarter (humanoider) Robotik und ein kompetentes Leadership im Change-Management.
Prof. Dr. Behrendt stellte hierzu Evaluationsergebnisse aus dem Förderprogramm „Mittelstand-Digital“ vor, die Strategien für den Innovationsprozess aufzeigten. Dabei uerden folgende Schlüsselfragen beleuchtet:
- Herausforderungen digitaler und KI-basierter Lösungen: Welche spezifischen Schwierigkeiten ergeben sich beim Einsatz dieser neuen Technologien?
- Neue Kompetenzen: Welche Fähigkeiten werden auf Führungs- und Mitarbeiter:innenebene benötigt, um mit dem Wandel Schritt zu halten?
- Kultureller Wandel: Wie identifiziert man relevante Faktoren des kulturellen Wandels, die mit der Nutzung von KI einhergehen?
- Strategien zur Zielerreichung: Welche Strategien wirken auf Menschen und Strukturen ein, und wie werden Gewinn-, Wandlungs-, Kommunikations-, Macht-, Vertrauens-, Digital- und KI-Strategien kontinuierlich angepasst?
- Sprachstil und Denkweisen: Die Klärung von KI-Begriffen und die Entwicklung eines einheitlichen Sprachgebrauchs sind entscheidend, um Missverständnisse zu vermeiden.
Ein besonderer Fokus lag auf der Akzeptanz von Robotik, insbesondere humanoider Formen, und den damit verbundenen Ängsten sowie den Chancen für un- und angelernte Menschen oder Menschen mit Behinderungen. Auch rechtliche Rahmenbedingungen wie die ISO TS 15066, ISO 10218 und die neue EU-Maschinenverordnung (2023/1230) spielen eine entscheidende Rolle für die Einführung von Cobots.

Fazit: Der Mensch als Gestalter der Transformation
Sowohl die „Wissensoffensive 2019“ als auch der „15. Robotics Kongress 2026“ unterstreichen, dass die erfolgreiche Integration von KI und Robotik im Mittelstand eine umfassende Strategie erfordert. Es geht nicht nur um die Implementierung neuer Technologien, sondern vielmehr um die Befähigung des Menschen, diese Technologien aktiv zu gestalten und ihre Potenziale voll auszuschöpfen. Der „Blick zurück nach vorn“ zeigt, dass die grundlegenden Fragen nach Kompetenzentwicklung, Change-Management, Akzeptanz und einer zukunftsfähigen Unternehmenskultur seit Jahren im Fokus stehen und weiterhin entscheidend für den Erfolg im Zeitalter der digitalen Transformation sein werden.
Autorin: Dr. Bärbel Winter
